Ist die Liebe zu Katzen weiblich? Zwischen Witz und Wahrheit

Es ist eine der hartnäckigsten kulturellen Zuschreibungen: Die Liebe zur Katze ist – zumindest vornehmlich - weiblich. Während der Mann meist den Hund als „besten Freund“ des Menschen bevorzugt – treu, folgsam, bereit für jedes Abenteuer –, scheint die Frau von jeher eine fast mystische Verbindung zu den eleganten, eigenwilligen Samtpfoten zu pflegen. Ist die Zuneigung zur Katze also tatsächlich weiblich? Das popkulturelle Klischee bejaht es, die Psychologie relativiert, und die Historie? Die hat einige aufschlussreiche Anekdoten und Erkenntnisse auf Lager.
Das uralte Bild: Hunde-Mann und Katzen-Frau
Die Vorstellung, dass Frauen eher Katzenmenschen und Männer eher Hundemenschen sind, ist tief in unserem kollektiven Bewusstsein verwurzelt. Der Hund repräsentiert dabei oft Werte, die traditionell Männern zugeschrieben werden: Loyalität, Gehorsam, Offenheit und eine klare Hierarchie. Die Katze hingegen ist das Tier der Eigensinnigkeit, der Grazie und der subtilen Kommunikation – alles Eigenschaften mit denen klassisch Frauen assoziiert werden.
Der amerikanische Science-Fiction Autor Robert Anson Heinlein (*1907) hat es mit einem bekannten Zitat auf den Punkt gebracht: „Frauen und Katzen tun, was ihnen gefällt. Männer und Hunde sollten sich entspannen und daran gewöhnen.“ Hier wird im Kern die Wesensverwandtschaft zwischen Katzen und Frauen beschrieben: Die Katze lässt sich nicht erziehen. Sie bittet um Respekt und Liebe zu ihren eigenen Bedingungen. Eine Haltung, die selbstbewusste Frauen, die Beziehungen auf Augen- statt auf Befehlsebene bevorzugen, schätzen.
“Women and cats will do as they please, and men and dogs should relax and get used to the idea.” Robert A. Heinlein
Kulturgeschichte: Von der Mäusejägerin zur Salonlöwin in Frauenhand
Kulturgeschichtlich gesehen war die Etablierung der Katze an der Seite des Menschen voller Ambivalenzen: von göttlicher Verehrung (im alten Ägypten) über sachlichen Pragmatismus bis zu teuflischer Verketzerung (im Mittelalter). Ihre Eroberung eines festen Platzes als kuscheliges Haustier – jenseits der reinen Nützlichkeit – war jedoch untrennbar mit der Rolle der Frau verbunden.
Auf Bauernhöfen oder in Kornkammern war die Katze ein hochgeschätztes, aber vorwiegend funktionales Mitglied der tierischen Belegschaft: eine Mäusejägerin par excellence. Ihre Existenzberechtigung war ökonomischer Natur, nicht emotionaler. Sie wohnte beim Menschen, aber war im Gegensatz zum Hund kein echter tierischer Gefährte.
Dies änderte sich mit dem Wandel der Lebensverhältnisse im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, als sich die Katze in die behaglichen Räume von Adelshäusern und bürgerlichen Salons schlich. Hier, wo materieller Überfluss herrschte und das Leben einen gewissen Muße-Faktor kannte, konnte die Katze ihre ästhetische und emotionale Funktion entfalten.
In diesen wohlhabenden Schichten waren es hauptsächlich Frauen, die die Katze als Haustier im modernen Sinne etablierten. Die bürgerliche oder adlige Dame, deren Leben oft von gesellschaftlichen Konventionen eingeschränkt war, suchte nach Beschäftigung und emotionaler Erfüllung im häuslichen Bereich. Die Katze bot Zuneigung, ohne die sozialen Einschränkungen einer menschlichen Beziehung aufzuerlegen. Gleichzeitig wurde die Katze – insbesondere Rassen wie die Perserkatze – zu einem Luxusobjekt und ästhetischen Statussymbol, das die Anmut der Dame und den Reichtum des Hauses unterstrich.
Die Pflege eines anspruchsvollen, aber nicht erziehungsbedürftigen Tieres bot in einer Zeit, in der die Position der Frau auf das Hüten des Heims beschränkt war, eine willkommene Projektionsfläche für Fürsorge und gefühlvolle Zuwendung. So wurde die Katze aus ihrem Nutztier-Dasein befreit und konnte in den Armen und auf den Schößen der Frauen ihre Bestimmung als emotionales Gefäß einnehmen – die Grundlage für das heutige Klischee der „Katzenfrau“.
Verhaltenspsychologische Parameter: Warum die Katze Frauen bevorzugt
Doch nicht nur haben Frauen eine besondere Beziehung zu Katzen – diese Affinität scheint auch vice versa zu bestehen. Denn wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass Katzen sich in Anwesenheit von Frauen oft wohler fühlen als in der von Männern. Der schweizerisch-amerikanische Katzenpsychologe Professor Dennis C. Turner (*1948) entdeckte mit Hilfe von Beobachtungstests spezielle Verhaltensmuster, die erklären, warum Katzen positiver auf weibliche Gesellschaft reagieren:
- Kommunikationsverhalten: Frauen neigen dazu, häufiger und in einer höheren Stimmlage mit Katzen zu sprechen. Katzen empfinden sanftere, melodische Laute als angenehmer und weniger bedrohlich.
- Körpersprache: Frauen gehen öfter in die Hocke oder legen sich hin, um auf Augenhöhe mit dem Tier zu interagieren. Männer hingegen neigen eher dazu, Katzen plötzlich hochzuheben oder von oben herab mit ihnen zu sprechen, was die Katze als unangenehm oder beängstigend empfinden kann.
- Geduld: Frauen warten häufiger, bis die Katze von selbst Kontakt aufnimmt. Sie respektieren die kätzische Autonomie und ihren Wunsch nach Selbstbestimmung, anstatt sie mit überschwänglicher, unaufgeforderter Zuneigung zu überrumpeln.
Es ist also theoretisch nicht das Geschlecht an sich, das zählt, sondern das gezeigte Verhalten. Aber da dieses Verhalten biologisch und evolutionsbedingt öfter bei Frauen zu finden ist, zieht die Katze ihre eigenen, felligen Schlüsse daraus und reagiert entsprechend.
Die „Crazy Cat Lady“ – Klischee mit alten Wurzeln
Die tief verankerte Verbindung zwischen Frauen und Katzen ist jedoch nicht frei von Spott und Vorurteilen. Das bekannteste davon ist wohl der Stereotyp der „Crazy Cat Lady“. Man kennt sie aus Die Simpsons – eine einsame, exzentrische Frau, deren „Familienleben“ aus einer Schar von Katzen besteht. Das Klischee malt das Bild einer – meist alten – Frau, die alleinstehend, kinderlos und verschroben ist und sich ihre Katzen als Ersatz für Partner und Nachwuchs hält.
Die historischen Wurzeln dieses Stereotyps reichen tief: Im Mittelalter wurden ledige Frauen und ihre Katzen – besonders schwarze – schnell mit Hexerei in Verbindung gebracht. Die freie, unabhängige Frau, die sich keinem Mann unterordnete, geriet in Verruf, und die Katze wurde so zum stigmatisierenden Accessoire der „Katzenhexe“.
Die Katzenfrau als Sinnbild weiblicher Selbstbestimmung
Doch es gibt auch ein anderes, kraftvolles Bild der Katzenfrau – eines, das in Kunst, Film und Popkultur seit langem geläufig ist. Hier steht die Katze nicht für Einsamkeit, sondern für Sinnlichkeit, Unabhängigkeit und Stärke. Die wohl bekannteste Verkörperung dieses Aspekts ist „Catwoman“ aus dem Batman-Universum: eine Figur, die zwischen Moral und Rebellion wandelt – elegant, gefährlich, und souverän in ihrer Selbstbestimmung. Ähnliche Archetypen finden sich in der Ästhetik von Künstlerinnen wie Eartha Kitt – selbst eine legendäre Catwoman-Darstellerin –, deren Bühnenpersona feline Eleganz und sexuelle Autonomie ausstrahlte, oder in der bildnerischen Darstellung von Frauen wie etwa bei der Surrealistin Leonor Fini, die sich in ihren ausdrucksstarken Werken selbst oft mit Katzen inszenierte.
Auch in Mode und Musik taucht dieses positive Katzenmotiv immer wieder auf: von Grace Jones, deren Auftritte an eine majestätische Raubkatze erinnern, bis zu den „cat-like“ Frauenfiguren in japanischen Animes oder der Popkultur, wo aufgesetzte Katzenohren weibliche Stärke, Verspieltheit und Anmut symbolisieren. Die Katzenfrau ist hier kein Objekt des Spotts, sondern ein Symbol weiblicher Macht – anziehend, selbstbewusst, unnahbar und frei.
Etliche Ikonen aus Literatur und Film waren bekennende Katzenfrauen: Darunter Leinwanddiven wie Audrey Hepburn, Marilyn Monroe oder Grace Kelly, die sich oft mit ihren samtpfötigen Begleitern porträtieren ließen. Schriftstellerinnen wie Colette und Virginia Woolf hielten Katzen und machten sie zu literarischen Figuren. In Texten wie La Chatte verhandelt die Französin Colette am Beispiel der Katze die Ambivalenzen von Liebe und Besitz. Die Amerikanerin Virginia Woolf lässt in Briefen und Notizen erkennen, dass die Nähe zu Katzen eine tröstende Konstante in ihrem sturmgepeitschten Leben war. Auf besondere Weise war auch Florence Nightingale, die Begründerin der modernen Krankenpflege, Katzen zugeneigt: im Laufe ihres Lebens hatte sie über 60 Katzen, wobei sie von deren therapeutischer Wirkung überzeugt war. Eine These, die in der medizinischen Forschung aktuell immer mehr Belege findet.
Heute, im digitalen Zeitalter, hat die Crazy Cat Lady ein Comeback als Meme erlebt – jedoch meist in einer selbstironischen, liebevollen Weise. Frauen bekennen sich stolz zu ihrem Cat-Lady-Dasein, indem sie diese Bezeichnung in einen humorvollen Ehrentitel umdeuten.
Exkurs: Männer, die Katzen lieben — leise Rebellen mit Herz
Wenn die populäre Weisheit behauptet, Frauen liebten Katzen und Männer Hunde, dann sind katzenliebende Männer so etwas wie die Häretiker im Haustier-Pantheon. Sie widersetzen sich dem archaischen Bild vom Mann als Herr über ein folgsames Tier. Der Mann mit Katze erkennt, dass Zuneigung kein Befehl ist und Vertrauen nicht auf Knopfdruck funktioniert.
Psychologisch gesehen deutet vieles darauf hin, dass Männer, die Katzen bevorzugen, tatsächlich überdurchschnittlich empathisch aber auch introvertierter und sensibler sind. Der amerikanische Psychologe Samuel D. Gosling kam in seiner Studie über Persönlichkeitsprofile von Tierbesitzern (Personalities of self-identified dog people and cat people) schon 2010 zu einem recht eindeutigen Befund: Hundemenschen neigen dazu, geselliger und extrovertierter zu sein, während Katzenmenschen meist fantasievoller, unabhängiger und offener für neue Erfahrungen sind.
Auch wenn solche Ergebnisse statistische Tendenzen beschreiben und keine klinischen Psychogramme sind, zeichnen sie ein interessantes Bild: Der katzenliebende Mann ist kein Dresseur, sondern ein Dialogpartner. Er akzeptiert, dass Zuneigung von der anderen Seite kommen darf – aber nicht muss. Das allein setzt ein Maß an Selbstreflexion voraus, das man nicht an jeder Straßenecke findet.
Dennoch gibt es genügend prominente Beispiele katzenliebender Männer, darunter – ähnlich wie bei den Frauen – besonders viele Schriftsteller und Künstler. Autoren wie Ernest Hemingway, der auf seinen Anwesen in Key West und auf Kuba zahlreiche Katzen hielt, oder Haruki Murakami, der japanische Autor, der Katzen zu stillen Beobachtern seiner Romane macht. Musiker wie der exzentrische Frontmann von Queen, Freddie Mercury, der von seinen Katzen stets mit einer rührenden Innigkeit sprach. Oder der Modezar Karl Lagerfeld, der aus seiner geliebten Katze Choupette gar eine Marke kreierte, eine Muse und quasi mythologische Figur.
Vielleicht ist der „Cat Man“ eine Art Anti-Typ zum polternden Alphamann: Einer, der Zärtlichkeit nicht für Schwäche hält und erkannt hat, dass die Liebe zur Katze eine tiefe Wertschätzung für Individualität und Unabhängigkeit beinhaltet. Und dass Sensibilität und Stärke keine Gegensätze sind, sondern synergetische Kräfte.
Abschließende Gedanken
Die Frage, ob die Liebe zu Katzen weiblich ist, lässt sich wohl am besten mit einem charmanten „Jein“ beantworten. Die Zuneigung der Katze selbst ist geschlechtsneutral – sie reagiert einfach auf das rücksichtsvollere, sanftere und abwartendere Verhalten – Eigenschaften, die Frauen häufiger zeigen als Männer.
Frauen wie Männern begegnet die Katze als Meisterin der nonverbalen Kommunikation und als Spiegel der eigenen Seele. Wer ihre leisen Signale zu deuten weiß, erhält ihre Gunst. Und diese Fähigkeit ist per se weder männlich noch weiblich, sondern einfach menschlich-empathisch. Und doch ist die Tatsache, dass viele Frauen in der unabhängigen Katze eine Wesensverwandte sehen, nicht von der Hand zu weisen: Ein Tier voller Anmut und Eigenheiten, das seinen Wert kennt und dessen Liebe man sich verdienen muss – welche Frau würde sich mit solch schmeichelhaften Attributen nicht identifizieren wollen?

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