Pfoten voraus in die Nachsaison – Fernziele für Katzenfans, die das Sommerende versüßen

enn an europäischen Stränden langsam Liegen und Sonnenschirme wegräumt werden und die Freibäder ihre Pforte schließen, beginnt für anspruchsvolle Urlauber erst die schönste Reisezeit des Jahres. Die große Hitze ist vorbei, die Touristenmassen verebben, die Flugpreise fallen, und auf der ganzen Welt locken Destinationen mit Kultur, Exotik, Sandstränden und … anschmiegsamen Samtpfoten! Sie schlendern durch die schmalen Gassen marokkanischer Städtchen, liegen auf den sonnigen Kaimauern japanischer Fischerdörfer oder durchstreifen die Hallen russischer Museen. Wer im Spätsommer und Herbst Urlaub mit Katzengarantie machen möchte, findet auch jenseits Europas lohnende Ziele mit Flauschbonus.
Japan: Aoshima, die Insel, auf der Katzen Könige sind
Es gibt Orte, die so surreal sind, dass man sich in einem Film wähnt: Aoshima, eine kleine Insel in der Präfektur Ehime, ist so ein Ort: ein Paradies für Katzen und Katzenmenschen. Die Anzahl der hier lebenden Katzen übertrifft die Zahl der menschlichen Inselbewohner im Verhältnis 6:1. Die Vierbeiner patrouillieren auf Kaimauern, räkeln sich in der Sonne oder lauern charmant bettelnd vor den Fischerhütten. Einmal täglich fährt eine kleine Fähre vom Festland auf die Katzeninsel – ideal für Katzen affine Tagesausflügler. Mit Geduld und etwas Thunfisch in der Tasche kann man die Tiere streicheln und fotografieren. Hotels gibt es auf Aoshima zwar keine, dafür so viele Gesichter mit Schnurrhaaren, dass man trotzdem gerne wieder kommt.
TIPP: Wer Aoshima besuchen möchte, sollte frühzeitig in Matsuyama übernachten und die Fähre ab Nagahama Pier erwischen.
Marokko: Der Katzengarten von Essaouira – eine Oase für Streuner mit Stil
Essaouira, die verträumte marokkanische Küstenstadt mit portugiesischem Erbe, ist nicht nur bei Künstlern und Seglern beliebt – auch Katzenliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Im Schatten der pittoresken weiß-blauen Häuser sonnen sich während der Siesta elegante Streuner, stolz und fotogen wie Models. In Essaouira befindet sich auch der Jardin des Rêves des Chats, ein kleines, liebevoll geführtes Refugium für kranke und verwaiste Katzen. Hier kümmert sich die französisch-marokkanische Organisation SPME um medizinische Versorgung, Kastration und Adoption. Reisende können mithelfen – oder einfach mit einem Minztee in der Hand die kunstvoll bemalten Katzenhäuschen, die dort für die Straßentiger bereitgestellt sind, samt Bewohnern bewundern. Bonus: In den Souks gibt es handgefertigte Keramik mit Katzenmotiven, die nicht kitschig, sondern von folkloristischer Schönheit ist.
USA: New York schnurrt – Brooklyn Cat Café & Katzenzirkus
In Brooklyn wird Bohemien Chic mit Haarballen serviert: Das Brooklyn Cat Café ist kein gewöhnliches Kaffeehaus, sondern eine Non-Profit-Oase, in der adoptierbare Katzen aus dem Tierschutz leben. Während man seinen Moccachino genießt, liegt eine Samtpfote auf der Zeitung, die man gerade lesen wollte – ein typischer Morgen in diesem urbanen Paradies für Katzenfans.
Wer das ganz besondere Katzenerlebnis sucht, sollte Ausschau nach Samantha Martin und ihren Amazing Acro-Cats (siehe Artikel „Katzen in der Manege“) halten – einer wandernden Katzen-Zirkusshow, die regelmäßig auch in New York gastiert: Eine Truppe aus geretteten Katzen, die Glöckchen läuten, Skateboards fahren und Schlagzeug spielen – und das alles freiwillig, mit Leckerlis motiviert und Rock’n’Roll im Herzen.
TIPP: Vorab Tickets buchen, die Shows der Amazing Acro-Cats sind oft ausverkauft.
Russland: Die Eremitage-Katzen – Wächter der Kunst
Hinter den opulenten Wänden der weltberühmten Eremitage in St. Petersburg leben seit zaristischer Zeit Samtpfoten im „Palast der Katzen“, heute sind es ungefähr 70. Ihr offizieller Auftrag: Mäusejagd zum Schutz der wertvollen Museums-Exponate. In Wahrheit jedoch sind sie die heimlichen Maskottchen des Hauses. Sie bewohnen die Kellergewölbe, Höfe und manchmal sogar die Kuratorenbüros des berühmten Palastmuseums an der Newa.
Jedes Jahr im Sommer feiert die Eremitage den Tag der Katzen, bei dem es Führungen, Malaktionen für Kinder und sogar ein kleines Katzen-Casting gibt. Wer Glück hat, entdeckt die eine oder andere Katze, die durch die geschichtsträchtigen Hallen des ehemaligen Winterpalastes streift, in dem schon Zarin Katharina die Große wohnte.
Taiwan: Houtong Cat Village – Das Instagram-Paradies für Catcontent-Creator
Etwa eine Stunde von Taipeh entfernt liegt Houtong, ein ehemaliges Kohledorf, das heute von über 200 Katzen bewohnt wird – und einer ganzen Community, die sich um sie kümmert. Hier gibt es Katzencafés, Souvenirshops, eine eigene Katzenbrücke und sogar einen Katzentunnel (wirklich!).
Trotz seiner Popularität ist Houtong kein Disneypark mit Katzenthema, sondern ein echter Ort mit einer langen Geschichte. Bei der stetig laufenden Dorferneuerung werden die Katzen und ihre Bedürfnisse bewusst mit eingebunden und Besucherinnen und Besucher dazu aufgerufen, den Tieren gegenüber respektvoll zu sein. Letzteres besonders auch wegen der zahlreichen Influencer, die wegen der vielen malerischen Fotomotive nach Houtong kommen – perfekter Catcontent für jedes Instagram-Profil.
Chile: Isla Negra – Pablo Nerudas poetische Katzen
Der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda war – wie viele Schriftsteller – bekennender Katzenliebhaber. Sein berühmtes Haus auf der Isla Negra, heute ein Museum, ist ein traumhafter Ort für alle, die Poesie und Katzen schätzen. Zwischen Seemanns-Memorabilien und surrealen Sammelobjekten begegnet man nicht nur dem Geist Nerudas, sondern auch seinen einstigen Katzen – verewigt in Gedichten, Fotografien und Statuen.
In der weitläufigen Gartenanlage des Museums leben heute wieder einige Katzen, die vom Museumsteam gepflegt werden. Sie stolzieren zwischen Lavendelsträuchern und Schiffsrudern und verleihen dem Ort eine melancholische, träumerische Atmosphäre.
TIPP: Nerudas Gedicht “Oda al gato” (Ode an die Katze) am Originalschauplatz zu lesen, ist ein erhabenes Erlebnis für Liebhaber von Samtpfoten und Dichtkunst.
Kuba – Finca Vigía – Das Haus, das Katzen erbte
Nur wenige Kilometer außerhalb Havannas, in dem kleinen Ort San Francisco de Paula, steht Ernest Hemingways legendäre Finca Vigía – heute ein Museum, damals das private Rückzugsparadies des berühmten Schriftstellers. Unter den Mangobäumen und zwischen den schattigen Arkaden tummelt sich noch immer eine ganz besondere Katzenpopulation: die Nachkommen der polydaktylen Katzen, die Hemingway zu Lebzeiten hielt. (Siehe Artikel: Schnurren und Schreiben)
Diese Katzen – mit ihren charmanten Überzählern an den Pfoten – sind ein Markenzeichen seiner Häuser geworden. Während man in seiner ehemaligen Residenz in Key West (Florida) bereits eine berühmte Hemingway-Katzenkolonie kennt, ist die kubanische Version weniger überlaufen, dafür umso atmosphärischer. Die Katzen bewegen sich hier, als gehörte ihnen der Ort – sie liegen auf den Fensterbrettern, wandeln durch die Bibliothek und schnuppern an den Oleandern im Garten. Ein Rundgang durch das Haus ist wie ein Spaziergang durch eine eingefrorene Zeit: Hemingways Bücherregale, Schreibmaschine und Jagdtrophäen sind noch so arrangiert, als käme er gleich von einer Angeltour zurück. Draußen aber regiert die leise, tropische Gelassenheit – und mittendrin die polydaktylen Erben, die Besucher charmant in Beschlag nehmen.
TIPP: Die Finca lässt sich gut mit einer Oldtimerfahrt von Havanna aus verbinden. Wer Katzen fotografieren will, sollte am späten Nachmittag kommen – dann liegen die Tiere oft im warmen Licht auf den Terrassen. Und: Ein kleines Trinkgeld an die Guides kommt auch den Katzen zugute, die vom Museumsteam gepflegt werden.
Wo es schnurrt, ist es nie zu spät für den Urlaub
Egal ob auf asiatischen Inseln, in tropischen Städten, hinter geschichtsträchtigen Palastmauern oder in orientalischen Souks – wer mit offenen Augen (und Taschen voller Leckerlis) reist, findet auf der ganzen Welt Destinationen mit felinem Mehrwert, die jede Menge Begegnungen mit maunzenden Freunden ermöglichen. Die vorgestellten Ziele sind so vielfältig wie ihre samtpfötigen Bewohner und bieten von Kunst und Kultur über urbanes Flair und Exotik bis hin zu einzigartigen Kuriositäten wie dem New Yorker Katzenzirkus für den Geschmack jedes Katzenfans erlesene Erlebnisse zum Schnurren.
Mögliche Reiserouten ab Wien und Berlin
Von Wien aus:
„Katzen & Kultur in Japan“ (ca. 12–14 Tage)
Wien → Tokio (Direktflug oder via Helsinki)
Tokio → Matsuyama (Inlandsflug oder Shinkansen) → Aoshima
Optional: Abstecher nach Houtong (Taiwan) über Taipeh
„Orient & Atlantik“ (ca. 7–10 Tage)
Wien → Marrakesch → Essaouira (3 Std. mit dem Auto oder Bus)
Rückflug ab Marrakesch oder kombinieren mit einem Stopover in Madrid
„Literarische Katzenreise“ (10–14 Tage)
Wien → Havanna → Finca Vigía
Weiterflug nach Santiago → Chile (Isla Negra)
Von Berlin aus:
„Urban Cats & Zirkusglamour“ (6–8 Tage)
Berlin → New York (Direktflug)
Besuch des Brooklyn Cat Cafés und Show der Amazing Acro-Cats
Optionaler Kurztrip nach Boston oder Philadelphia
„Zarenkatzen & Orientduft“ (8–10 Tage)
Berlin → St. Petersburg (Direktflug) → Eremitage
Weiterflug nach Marrakesch → Essaouira
„Asiatisches Katzentrio“ (12–15 Tage)
Berlin → Taipeh → Houtong
Weiter nach Tokio → Aoshima
Optional: Stopover in Seoul oder Hongkong

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