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Zwischen Göttin und kleiner Tyrannin: Eine Liebeserklärung an die Katze zum Weltkatzentag

Illustrierter Schreibtisch mit Federkiel, Tintenfass und Liebesbrief „An meine geliebte Katze“ neben Umschlag und gerahmtem Katzenporträt zum Weltkatzentag

Geliebte, unergründliche Katze,

A

ls Baudelaire einst schrieb, in Deinen Augen brenne ein geheimnisvolles Licht, vergaß er hinzuzufügen, dass dieses Licht bevorzugt um vier Uhr morgens leuchtet – knapp zwei Zentimeter vor meiner Nase, begleitet von der unmissverständlichen Forderung nach Gourmet-Geflügel in Gelee.

Und doch – wie könnte ich Dir zürnen?

In hoheitsvoller Würde wandelst Du durch meine Tage, Dir Deiner göttlichen Herkunft voll bewusst. Die alten Ägypter verehrten dich als Bastet, weihten Dir Tempel und meißelten deine Anmut in Granit. In jedem Deiner Schritte lebt diese historische Reminiszenz fort. Du blickst auf das Leben, als wäre das Universum eine Pyramide, auf deren Spitze Du, die Katze, ruhst, während die Menschen zu Deinen Füßen selbstverständlich dafür sorgen, dass es Dir an nichts mangelt.

Dich zu lieben lehrt Demut. Welches andere Wesen vermag es, mit sanftem Schnurren in einen Zustand vollkommener Seligkeit zu versetzen – nur um im nächsten Augenblick mit einem einzelnen, wohl dosierten Tatzenhieb zu erklären, dass die Grenze zwischen Zuneigung und Übermut soeben überschritten wurde? Es ist ein Tanz auf dem Vulkan: Ein Streich zu viel am Seidenfell und aus einer Liebkosung wird eine kleine Lektion in Katzenetikette. Ich nehme es mit Fassung. Schließlich hast Du Deine Gründe.

Deine Ansprüche sind radikal und kompromisslos. Die finanziellen Unkosten, in die ich mich stürzte, um Dir einen standesgemäßen Kratzbaum zu verschaffen – ein Monument aus Plüsch und Sisal von der Würde einer gotischen Kathedrale: vergeblich, Du würdigtest ihn kaum eines Blickes. Stattdessen erwähltest du den braunen, zerbeulten Karton, in dem er geliefert wurde; jene unscheinbare Schachtel, die ich bereits dem Altpapier überantworten wollte. Dort residierst Du nun mit der Gelassenheit eines Philosophen – wie Diogenes in seiner berühmten Tonne – und blickst zufrieden in Dein Reich, von Deiner Würde nichts einbüßend.

Ich gestehe meine kleine Obsession ohne Scham: In einer hölzernen Schatulle horte ich Deine ausgefallenen Schnurrhaare. Für Laien sind es bloße Keratinfäden, für mich feinste Antennen des Glücks, Sensoren, mit denen Du Deine Welt ertastest, Wunderwerke der Natur, die ich wie kostbare Reliquien aufbewahre. 

Wenn es draußen wieder einmal laut, hektisch und unerquicklich wird, lege ich meinen Kopf an Deine Flanke und lausche: Dein Schnurren gleicht einem tiefen, beruhigenden Cello – es ist ein warmer, vibrierender Ton von hypnotischer Tiefe, der für Momente die Welt verstummen lässt.

Du bist meine liebste kleine Tyrannin, meine samtpfötige Muse, mein unzähmbares Stück Wildnis – und vor allem: meine Katze, wenngleich Du nur Dir selbst gehörst. Du erinnerst mich daran, die kleinen Dinge wahrzunehmen: den Sonnenfleck auf dem Boden, den Duft des Morgens, die Stille eines Augenblicks oder die Schönheit eines einfachen Kartons.

Ich möchte Dir Danke sagen, für jede Kopfnuss, jedes Schnurren, jedes Haar auf meinem Pullover, jedes Aufwecken im Morgengrauen und für Deine bloße Anwesenheit, die ein Heim erst zu einem Zuhause macht.

Heute feiern wir Dich ganz offiziell. Morgen übrigens auch. Und übermorgen. Eigentlich an jedem einzelnen Tag des Jahres. Aber das weißt Du ja.

Alles Liebe zum Weltkatzentag!

Dein Mensch

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